Grimma
Der Verleger und Buchhändler Georg Joachim Göschen (1752-1828) kaufte 1795 das ehemalige Pferdnergut Nr. 19 in Hohnstädt (zu Grimma gehörend), dem heutigen Göschenhaus. Als Sommersitz der Familie gedacht, wurde das Anwesen spätestens 1797, nachdem Göschen seine Druckerei von Leipzig nach Grimma verlegte, rasch zu einem Treffpunkt bekannter und weniger bekannter Persönlichkeiten. Der zum Haus gehörende Garten wurde allmählich ab etwa 1800 im Stil eines englischen Landschaftsparks gestaltet. Dazu wurde weiterer Grund und Boden erworben und dann der Grten in insgesamt vier Naturterrassen auf 4200 m² angelegt. Ganz im Sinne eines englischen Gartens dominieren noch heute der verwinkelte Grundriss und die scheinbar ungeordnete Bepflanzung des Gartens. Blumen und Kräuter werden nur gezielt an wenigen Standorten gepflanzt: die verschiedensten Schattierungen von grün herrschen -nach dem Ziel des angestrebten Gartentyps - vor. Südlich vom Haus ist ein Weinberg angelegt, der zwar wahrscheinlich erst nach Göschens Zeit gestaltet wurde, aber ganz der Idee des englischen Gartens entspricht. Die Anlage der Beete um das Haus folgt dem Prinzip einer losen Anordnung. Zwei alte Kornelkirschen, die nach der Überlieferung bereits 1853 gepflanzt worden sein sollen, deuten auf den ursprünglichen Nutzcharakter des Gartens: schon für Georg Joachim Göschen war der Garten nicht nur Muße, sondern auch Nahrungsgrundlage seiner großen Familie. Ein wichtiger Aspekt ist der bereits 1801 (als Geburtstagsgeschenk für Göschens Frau) gebaute antikisierende Freundschaftspavillon, der auf der ersten Terrasse einen markanten Akzent setzt. Am Freundschaftspavillon stehen Pyramidenpappeln, ursprünglich sechs (Sinnbild für Göschens Kinder), als ein typischer Bestandteil eines englischen Landschaftsparks. Direkt vom Pavillon aus führt eine Treppe zu einem schlichten Springbrunnen auf der zweiten Terrasse. Diesen erreicht man auch über einen romantisch anmutenden Weg oder durch einen Weinlaubengang. Die dritte Terrasse ist die Theaterwiese mit einer Efeu-bewachsenen Naturbühne. Hier wurde schon vor 200 Jahren Theater gespielt und es erklangen Konzerte: diese Tradition wird auch heute noch phantasievoll fortgeführt. Neben der Theaterwiese findet sich der von Göschen für Johann Gottfried Seume (1763-1810) an dessen Lieblingsplatz aufgestellte Seume-Gedenkstein, unter zwei hoch aufragenden, bereits 300 Jahre alten Eichen. Seume, der von 1797 bis 1801 als Korrektor in Diensten Göschens stand, brach 1801 von Grimma aus seinen berühmten Spaziergang nach Syrakus auf. Die Schillerworte auf dem Gedenkstein lauten: Eil in die Furche der Zeit Gedanken und Thaten zu streun, die von der Weisheit gesät, still für die Ewigkeit blühn... Übrigens: auch Friedrich Schiller hat Göschen in Hohnstädt besucht. Im äußeren Bereich der vierten Terrasse findet sich eine alte, steinerne Sitzgruppe an der Außenmauer. Diese Sitzgruppe besteht aus Rochlitzer Porphyrtuff, dem schönsten Werkstein der Region.
